Mann und Frau sitzen mit verschränkten Armen nebeneinander auf dem Sofa

Immer mehr Scheidungen aus langen Ehen ab Ü45: Die 3 häufigsten Gründe

Adam feierte letzte Woche seinen 48. Geburtstag. Als junger Mann hatte er sich oft vorgestellt, was er bis zu diesem Alter alles erreichen würde: einen guten Job, vielleicht eine eigene Firma, Heirat, Kinder und ein schönes Zuhause. Er hatte sich vorgestellt, die richtige Frau zu finden, um mit ihr zusammen alt zu werden.

Doch am Morgen seines Geburtstags, als er aufwachte und seine Frau Anne neben sich schlafen sah, plagten ihn wieder diese schweren Gedanken. In den letzten Monaten war er nachts immer wieder wach geworden und konnte nicht mehr schlafen, weil ihm alles im Kopf rumgegangen war. Er hatte versucht, Lösungen zu finden. Jedoch war er zu keiner Lösung gekommen, deswegen kam zu mir in die Beratung.

Mann liegt im Bett und drückt verschlafen auf den klingelnden Wecker

„War das wirklich schon alles?“

Seit über zwei Jahren kamen ihm immer wieder Zweifel. Erfüllte die Partnerschaft noch seine Bedürfnisse? Reichten seine Gefühle für seine Frau, um den Lebensabend gemeinsam zu genießen? Wollte er dieses gemeinsame Leben noch? Er konnte das nicht mehr bejahen.

Er dachte an die vielen gemeinsamen Projekte, die sie zusammen verwirklicht hatten. Gemeinsam war er mit Anne durch dick und dünn gegangen: Die Geburt der Kinder, der Bau ihres Eigenheims, Schicksalsschläge. Über die Zeit hatten sie sich immer mehr aus den Augen verloren, ihre Verbindung war schwächer geworden. Jeder machte inzwischen „sein Ding“.

Adam gestand sich an seinem Geburtstag ein, dass er in seiner Beziehung schon länger unglücklich und unzufrieden war. Aber sich trennen, nach all den Jahren? Seine Frau Anne kannte er inzwischen sein halbes Leben, sie waren mit 20 zusammengekommen, hatten rasch geheiratet. Der Gedanke, sie nach all den Jahren im Stich zu lassen, brach ihm fast das Herz.

Sein Gedankenchaos machte ihm zunehmend zu schaffen. Seit Wochen fühlte er sich niedergeschlagen und depressiv.

Mann blickt gedankenversunken aus dem Fenster

Sich trennen nach über 20 Jahren Ehe?

Sein bester Freund riet ihm eindringlich ab. Adam hatte daraufhin beschlossen, alles beim Alten zu belassen. Er hatte wirklich versucht, sich damit abzufinden, dass er und seine Frau keinen gemeinsamen Nenner mehr hatten, so, wie es bei vielen anderen Paaren aus seinem Umfeld ja auch der Fall war. Das war jetzt ein Jahr her.

Doch dann kamen die Zweifel zurück und die Sehnsüchte nach einem erfüllteren Leben. Er fragte mich, ob all das normal sei.

In der 2. Lebenshälfte angekommen, beschäftigen sich viele mit Trennung

Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, möchten wir oft unsere Partnerschaft wieder stärker in den Mittelpunkt setzen. Viele von uns stellen nun fest, wie stark wir uns von unserem Partner entfernt haben. Dass nichts mehr da ist, was uns verbindet.

Aber auch ohne die großen Wendepunkte des Lebens trennen sich Menschen: Weil sie die Sehnsucht nach einem besseren Leben nicht mehr loslässt. Sie leiden schon länger, oft viele Jahre. Vielleicht haben sie inzwischen einen anderen Menschen kennengelernt und über ihn erfahren, dass es das gibt, was sie sich für ihre zweite Lebenshälfte wünschen.

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Besonders Langzeit-Ehen enden immer häufiger in Scheidung

Das liegt zum Teil daran, dass wir immer länger leben. In Deutschland zeigt sich, dass Beziehungen, die auf Jahrzehnte bestehen, vermehrt enden. Die Zahl der Scheidungen nach 25 Jahren Ehe hat sich zwischen 1992 und 2017 fast verdoppelt. Während Anfang der 1990er-Jahre jährlich etwa 14.000 Langzeit-Ehen geschieden wurden, sind es heute über 27.000 (die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt).

Interessanterweise geht die allgemeine Scheidungsrate zurück, aber die Scheidungen nach langen Ehen nehmen zu und machen mittlerweile etwa jeden sechsten Scheidungsfall aus. Das wirkt sich auch auf das durchschnittliche Alter bei Scheidungen aus: Frisch getrennte Frauen und Männer sind heute im Schnitt 44 bzw. 47 Jahre alt – das sind jeweils acht Jahre älter als noch 1992.

Warum sich immer mehr Menschen auch nach 20 und mehr Jahren Ehe trennen

In einer Zeit, in der Frauen nicht mehr darauf angewiesen sind, die Ehe als Mittel zur Sicherung ihres Lebensunterhalts und ihrer Bedürfnisse zu betrachten, bricht für sie keine Welt mehr zusammen. Im Gegenteil, es eröffnen sich neue Horizonte, und sie reflektieren genau, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten. Frauen streben nicht mehr nach Illusionen oder einem Leben in einer Blase. Sie streben nach Authentizität, persönlicher Entwicklung und der Erfahrung wahrer Liebe, insbesondere in der zweiten Hälfte ihres Lebens. Männer ziehen in dieser Hinsicht zunehmend nach.

Geschäftsmann fährt auf einem Dreirad und bekommt Hilfe von der auf seinem Rücken befestigten Rakete :-)

In der ersten Hälfte unseres Lebens fokussieren wir uns oft darauf, ein Gefäß zu formen: Wir erlangen Bildung, gehen einer Karriere nach, heiraten, gründen eine Familie und bauen ein Zuhause auf. Doch in der zweiten Lebenshälfte geht es nicht mehr darum, weiter nur Projekte abzuarbeiten. Es geht vielmehr um innere Erfüllung, die Sehnsucht nach Ankommen in der Liebe und dem Aufbau einer beständigen und tief emotionalen Beziehung.

Früher galt eine Scheidung oft als Verlust des sozialen Ansehens, besonders für Frauen

Nach einer Scheidung fühlten sich viele nicht nur stigmatisiert, sondern auch beruflich unerfahren und finanziell unsicher. Die Ehe hat heute eher einen symbolisch-romantischen Charakter, ohne traditionelle Verpflichtung bis zum Lebensende. So, wie es in früheren Generationen der Fall war. Früher hat gemeinsamer Besitz oder Kinder eine Beziehung zweckmäßig stabilisiert und Paare dazu gedrängt, zusammenzubleiben. Auch, wenn beide längst nicht mehr zusammen kompatibel waren. Besonders für Frauen war es oft schwierig, sich vom Partner zu trennen, da sie finanziell von ihm abhängig waren.

Dank fortschreitender Gleichberechtigung haben Frauen und Männer nun die Möglichkeit, eine unglückliche Ehe zu beenden, ohne dabei in finanzielle Nöte zu geraten. In meiner Beratungspraxis beobachte ich zunehmend, dass auch Männer immer öfter den Schritt zur Scheidung initiieren und umsetzen. Es sind also nicht mehr hauptsächlich Frauen, die sich scheiden lassen möchten.

Frauen kämpfen schon längst für ihr Lebensglück

Inzwischen ist es selbstverständlich geworden, dass Frauen nicht mehr alles dem Mann überlassen. Sie übernehmen sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Verantwortung für sich selbst. Und Männer? Sie erkennen langsam, dass sie ebenfalls das Recht darauf haben.

Porträt eines schönen Paares, das sich umarmt und einander in die Augen schaut, Winterfoto

Was Männer bewegt, die in meine Beratungen kommen

  • Sie streben in Beziehungen nach Authentizität
  • Sie wollen eine Partnerin, die sie in ihrer Männlichkeit bestätigt
  • Sie möchten ihr Leben selbstbestimmt führen, ohne dem gesellschaftlichen Druck nachzugeben
  • Sie lehnen es ab, eine Rolle zu spielen, die nicht zu ihnen passt, um den Erwartungen anderer gerecht zu werden
  • Sie wollen keine Illusionen aufrechterhalten

Viele leben bis zur Trennung lange Zeit in unbefriedigenden Beziehungen

Sie bemühen sich durch Paartherapien oder Coachings, ihre Verbindung wiederherzustellen. Wenn diese Bemühungen erfolglos bleiben und eine Kompatibilität nicht hergestellt werden kann, bleiben sie oft weiter zusammen – und damit weiter unglücklich. Es heißt, dass sich innerhalb 3 bis 4 Jahre nach einer erfolgten Paartherapie dennoch ca. 75% der Paare trennen.

Aus meinen Erfahrungen heraus wird hier weniger der Fokus auf die enge Verbindung des Paares gesetzt. Sie wird nach der erfogten Therapie auch nicht bewusst weiter gepflegt.

Text „Best Version of Yourself“ auf einem Holzschild, das an einem Seil auf schwarzem Hintergrund hängt. Motivationskonzept

Eine Trennung in der zweiten Lebenshälfte ist keine Seltenheit mehr

In unseren Beziehungen streben wir nach Erfüllung, insbesondere in der zweiten Lebenshälfte, wo wir eine tiefere Verbundenheit mit unserem Partner wollen – weit mehr als in jüngeren Jahren. Ab einem Alter von etwa 40 beginnt ein innerer Prozess: Der Wunsch anzukommen – sowohl im Leben als auch in unserer Beziehung.

Eine innere Stimme regt uns dazu an, alles zu hinterfragen, was wir bisher aufgebaut haben. Sie stellt die Frage nach unserem tatsächlichen Gefühl der inneren Erfüllung.

Gründe für eine Scheidung ab 45: Eine Übersicht

Die nachfolgenden Informationen sind Erfahrungswerte aus meiner Beratungstätigkeit seit 2009 und auszugsweise aus einer im Jahre 2013 von Perrig-Chiello, Knöpfli und Gloor durchgeführte Untersuchung.

Entfremdung

Veränderungen in Beziehungen sind ganz normal. Aber nicht immer nehmen wir sie auch positiv wahr. Oft berühren wir uns kaum noch, tauschen auch verbal keine Liebkosungen mehr aus. Mit der Zeit haben wir uns immer weniger zu sagen, leben nebeneinander her, haben das Interesse für den anderen verloren.

Der häufigste Grund für Scheidungen ist die Entfremdung zwischen beiden Ehepartnern. Dazu tragen besonders veränderte Erwartungen an das Leben, den Partner, Werte oder Persönlichkeitsmerkmale bei.

Mann und Frau im Konflikt, sie wenden sich voneinander ab

Kommunikations- und Beziehungsprobleme

Ein weiterer häufiger Grund für Scheidungen: größere Kommunikationsprobleme mit unserem Partner. Wir hören nicht mehr zu, zeigen am anderen kein Interesse, geben keine Energie mehr in Dinge, die ihm wichtig sind. Das tut weh! Häufig ist das eine Plattform für Streits.

Wir tauchen uns über unsere Gedanken, Gefühle und Sorgen nicht mehr aus. Darunter leidet die Verbindung zum anderen.

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Sexuelle Unzufriedenheit

Wenn wir unsere sexuellen Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum nicht mehr erfüllen können, erscheinen Kontakte im Außen immer attraktiver. In vielen langjährigen Beziehungen ist die Sexualität eingeschlafen oder kaum noch präsent. Fremdgehen wird dann oft als Option für Sex gewählt.

Freiheitslust

Für einige Paare sind Freiheitsbedürfnisse und die Balance zwischen Nähe und Distanz heftige Streitthemen. Menschen mit größerem Freiheitsdrang fühlen sich schneller eingeengt und ihrer Selbstbestimmung beraubt, weil sie auf Gewohnheiten verzichten müssen und nicht mehr frei entscheiden können.

Wenn keine angemessenen Kompromisse gefunden werden können und die Partner sich stark in ihren Bedürfnissen nach Freiheit unterscheiden, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Trennung.

Sexuelle Untreue

Menschen ertragen die Untreue ihres Partners über Jahre hinweg, um die Familie zusammenzuhalten und die Kinder zu schützen.

Menschen aus langjährigen Beziehungen nennen oft die Untreue ihres Partners als Grund für eine Trennung. Einige wissen schon länger von der Affäre ihres Partners, entscheiden sich aber erst später für eine endgültige Trennung bzw. Scheidung.

Fremdverliebt in eine andere Frau / einen anderen Mann

Das eigene oder auch das Verliebtsein des Partners in eine andere Person wird oft als Hauptgrund für Scheidungen genannt.

Meine Erfahrung zeigt, dass Männer genauso wie Frauen den Wunsch haben, auch in dieser Lebensphase Liebe und Partnerschaft zu erleben. Es ist kein rein egoistisches Anliegen der Männer, sondern der tiefe Wunsch nach Verbundenheit und Partnerschaft beider Seiten.

Psychische und körperliche Erkrankungen

Psychische und körperliche Erkrankungen, sei es beim Partner oder bei einem selbst, können eine enorme Belastung für die Beziehung darstellen. Der gesunde Partner kümmert sich oft um den erkrankten Part, verliert dabei mit der Zeit an Kraft. Der kranke Part entwickelt häufig eine Schwermut über die schwindende Gesundheit und Kraft, er kann oft nur schwer damit umgehen.

Es gelingt uns nicht immer, mit eigenen Einschränkungen oder die des Partners umzugehen und Verständnis für die Erkrankung und das Verhalten aufzubringen. Oft führt das zu Konflikten und Streitigkeiten.

Finanzielle und berufsbedingte Gründe

Im Falle einer Scheidung hat jeder Partner Anspruch auf die Hälfte des während der Ehe erworbenen Vermögens. Das gleiche gilt für Rentenansprüche. Der Partner, der während der Ehe weniger verdient hat, erhält nach einer Trennung weiterhin einen Ausgleich. Bis zur Scheidung hat der finanziell benachteiligte Partner auch Anspruch auf Trennungsunterhalt.

Wenn die Partner beruflich zu sehr eingespannt sind und nicht genug Zeit und Energie für die Familie haben, belastet das die Beziehung. Genauso Arbeitslosigkeit, Fern- und Wochenendbeziehungen.

Ein Paar sitzt im Wohnzimmer und schreit sich gegenseitig an

Fazit:

Entfremdung, Inkompatibilität und Untreue als Hauptgründe für Scheidungen

Die heutige Zeit und Veränderungen im Rechtssystem machen es im 21. Jahrhundert leichter, sich vom Partner zu trennen. Eine Scheidung in der Lebensmitte nach langjähriger Ehe löst kaum noch Aufsehen aus. Frauen und Männer fühlen sich seltener aufgrund finanzieller Abhängigkeiten gezwungen, eine unglückliche Beziehung aufrechtzuerhalten.

Die traditionelle Vorstellung von Ehe als soziale und wirtschaftliche Absicherung verliert für uns an Bedeutung. Oft sind es Frauen, die den Schritt zur Trennung initiieren, da Selbstverwirklichung für sie immer wichtiger wird. Aber auch Männer ziehen nach: Sie sagen selbst, dass sie es genauso verdient haben, glücklich zu sein.

Gleichzeitig erhöht die längere Lebenserwartung die Anforderungen an unsere Partnerschaften. Unsere Ehen müssen länger halten, was das Risiko für Scheidungen im späteren Leben erhöhen kann.

Die Erfahrung aus 15 Jahren Beratungen zeigt deutlich:

Auch nach einer späten Trennung haben Geschiedene Zeit und die gleichen Chancen, sich neu zu orientieren und ihr Leben neu zu gestalten. Egal, ob Mann oder Frau.

Die emotionale Distanz, die entsteht, wenn Paare sich auseinanderleben, scheint der Beziehung am meisten zuzusetzen.

Wenn Paare das Gefühl haben, nicht mehr zusammenzupassen, führt das immer öfter zur Trennung. Einsamkeit in der Ehe, sexuelle Affären als auch emotionale Bindungen zu anderen Personen sind häufige Auslöser für eine Scheidung.

Dir geht es wie Adam – du denkst über eine Trennung nach

Die Differenzen in deiner Beziehung erscheinen dir unüberwindbar. Doch du möchtest alle Möglichkeiten abklopfen, um dir wirklich sicher zu werden.

Oder du möchtest vorbereitende Trennungsgespräche mit deinem Partner führen, OHNE dass er oder sie dabei in den freien Fall kommt (Was immer mit Angst und Schmerz verbunden ist).

Wenn du wissen möchtest, wie du in deiner persönlichen Situation am besten vorgehst, dann komm doch zu mir in die 1:1 Beratung.

Ich bin Silke Setzkorn, Affären-Expertin und Beziehungscoach seit 2009

Wir beide sprechen über Handy/Festnetz oder via Zoom und klopfen gemeinsam alle Möglichkeiten ab, die in deiner Situation noch offen sind. Dann gehen wir Schritt für Schritt durch, wie du das Ganze umsetzen kannst.

Ich freue mich auf dich und unser Gespräch!

Herzlichst, Silke Setzkorn

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